Panikattacke oder Herzinfarkt? So erkennst du den Unterschied
Enge in der Brust, rasendes Herz, Atemnot – kaum eine Frage treibt Menschen mit Panikattacken so um wie diese: Ist das eine Panikattacke oder ein Herzinfarkt? Die Sorge ist verständlich, denn die Symptome können sich ähneln. Es gibt jedoch typische Unterschiede, die dir Orientierung geben. Eines vorweg: Im Zweifel gilt immer – Notruf 112 wählen. Niemand wird dir einen Vorwurf machen, wenn es „nur" Panik war.
Warum sich beide so ähnlich anfühlen
Bei einer Panikattacke schüttet dein Körper Adrenalin aus: Das Herz schlägt schneller und kräftiger, die Brustmuskulatur verspannt sich, die Atmung wird flach. Genau diese Empfindungen – Herzrasen, Brustdruck, Atemnot – kennen wir auch als Warnzeichen des Herzens. Der Unterschied liegt in der Ursache: Bei der Panikattacke ist das Herz gesund und reagiert nur auf Stresshormone; beim Herzinfarkt ist ein Herzkranzgefäß verschlossen.
Typische Merkmale einer Panikattacke
- Beginnt oft plötzlich, häufig in Ruhe oder in stressigen bzw. gefürchteten Situationen
- Erreicht in wenigen Minuten den Höhepunkt und klingt meist nach 10 bis 30 Minuten deutlich ab
- Der Brustschmerz ist eher stechend oder punktuell und verändert sich mit Atmung oder Bewegung
- Begleitet von Kribbeln in Händen oder Gesicht, Zittern, Unwirklichkeitsgefühl und ausgeprägter Todesangst oder Kontrollverlustangst
- Beruhigt sich durch langsame Atmung, Zuspruch und Ablenkung spürbar
Typische Warnzeichen eines Herzinfarkts
- Drückender, brennender oder einschnürender Schmerz hinter dem Brustbein, der länger als einige Minuten anhält oder in Wellen wiederkehrt
- Schmerz strahlt aus – in den linken Arm, beide Arme, Kiefer, Rücken oder Oberbauch
- Tritt oft bei oder nach körperlicher Belastung auf und bessert sich in Ruhe nicht
- Kalter Schweiß, Blässe, starke Übelkeit, ausgeprägte Schwäche
- Bei Frauen häufig untypischer: eher Übelkeit, Rücken- oder Oberbauchschmerz, extreme Müdigkeit und Atemnot
Wann du sofort den Notruf wählen solltest
Ruf umgehend die 112, wenn der Brustschmerz länger als etwa fünf Minuten anhält, ausstrahlt, mit kaltem Schweiß und Vernichtungsgefühl einhergeht, bei Belastung aufgetreten ist – oder wenn du solche Symptome zum ersten Mal erlebst. Das gilt besonders, wenn Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen oder Herzerkrankungen in der Familie vorliegen. Ein EKG und ein Bluttest können einen Herzinfarkt zuverlässig ausschließen – Selbstdiagnose kann das nicht.
Die Gewissheit, die dich beruhigt
Wenn deine Symptome ärztlich abgeklärt wurden und dein Herz gesund ist, darfst du dieser Diagnose vertrauen. Viele Menschen mit Panikstörung lassen sich immer wieder untersuchen – doch jede erneute „Sicherheitssuche" hält die Angst langfristig am Leben. Hilfreicher ist der Gedanke: „Mein Herz ist untersucht und gesund. Das ist Adrenalin, kein Infarkt." Wenn die Herzangst dich dennoch nicht loslässt, ist eine kognitive Verhaltenstherapie der wirksamste Weg, sie aufzulösen.
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